Küchenplatten just-in-time
Holzwerkstoffe durchlaufen auf ihrem Weg vom Rohmaterial zum Endprodukt zahlreiche Handlings-, Lager- und Übergabeschritte. Ob mehrere Meter lange Brettsperrholz-Elemente oder gestapelte Werkstoffplatten – jedes dieser Materialien ist schwer und zugleich empfindlich. Oberflächenschäden, Kantenausbrüche oder Druckstellen können ganze Chargen entwerten. Gleichzeitig verlangen enge Produktionstakte und ein hoher Automatisierungsgrad nach Systemen, die rund um die Uhr zuverlässig arbeiten.
Vollert entwickelt und realisiert seit über 50 Jahren Automatik-Kransysteme für Schwerlastprozesse. Es sind keine Standardkrane von der Stange, sondern Systeme, die spezifisch auf Materialbild, Prozesslogik und Betriebsanforderungen ausgelegt werden. Genau diese Systemkompetenz – Automatisierung, materialschonende Lastaufnahmemittel, Prozessintegration und die Auslegung für anspruchsvolle Umgebungen – lässt sich auf die Handlings- und Lageraufgaben der Holzwerkstoffindustrie übertragen.
Holzwerkstoffe vereinen zwei Eigenschaften, die sich zunächst zu widersprechen scheinen: Sie sind schwere, großformatige Holzelemente erreichen schnell mehrere Tonnen – und gleichzeitig empfindlich. Eine Kratzer an einer sichtbaren Holzoberfläche kann den Wert des Materials erheblich mindern.
Hinzu kommt die Prozesslogik. Im industriellen Holzbau sind Kransysteme keine isolierten Transportmittel, sondern eine zentrale Schnittstelle zwischen Produktionslinie, Zwischenlager, Kommissionierung und Versand. Stillstände oder Positionierfehler wirken sich unmittelbar auf den gesamten Materialfluss aus. In vielen dieser Werke gilt ein durchgehender Schichtbetrieb – das System muss also verfügbar sein, wenn die Produktion läuft.
Standardkranlösungen, wie sie im allgemeinen Maschinenbau oder in der Stückgutlogistik eingesetzt werden, sind für diese Kombination aus Traglast, Materialempfindlichkeit, Prozessnähe und Dauerbetrieb nicht ausgelegt. Vollert entwickelt Systeme, die genau diese Anforderungen zum Ausgangspunkt nehmen.
In Werken für Span-, MDF- und OSB-Platten oder in der Möbelproduktion fallen große, kantenempfindliche Plattenstapel an – an der Presse, im Zwischenlager und im Versand. Klassische Staplerlogistik stößt hier an Grenzen: Platzbedarf, Beschädigungsrisiko an Kanten und Oberflächen sowie begrenzte Stapelhöhen bremsen die Wirtschaftlichkeit. Ein automatisiertes Kransystem kann Plattenstapel dichter und höher lagern als eine Staplerflotte und gleichzeitig einen sortenreinen, nachverfolgbaren Bestand führen.
Ein Kransystem in der Holzindustrie ist dabei selten eine isolierte Investition. Es ist Teil einer Produktions- und Logistikarchitektur, in der Materialfluss, Lagerlogik, Prozesssteuerung und Schnittstellen zu angrenzenden Systemen zusammenspielen müssen. Wer nur den Kran plant, plant zu kurz. Vollert versteht sich deshalb nicht als reiner Kranhersteller, sondern als Engineering-Partner, der das Gesamtsystem im Blick behält – von der Analyse des Materialbilds und der Prozesslogik über die Auslegung von Lastaufnahmemitteln, Steuerungsarchitektur und Materialflussrechner bis zur Integration in WMS und Produktionssteuerung. Auch Brownfield-Situationen – die Integration neuer Systeme in bestehende Hallen und laufende Betriebsprozesse – gehören zum Projektalltag.